Mit der traditionsreichen Filmproduktion erlangte Potsdams größter Stadtteil Weltruhm. Als Medienstadt ist Babelsberg die Anlaufstelle für Medienschaffende aus Film und Fernsehen schlechthin. Und das sind längst nicht alle Qualitäten, die der an Berlin grenzende Ort zu bieten hat.

Architektonische Vielfalt vom Weber- bis zum Villenviertel

Bei einem Rundgang durch Babelsberg wird es für das Auge nie langweilig. Da gibt es eindrucksvolle Wohnhäuser aus der Gründerzeit, die gemäßigt aber doch anspruchsvoll dekoriert den Geschmack einer breiten Masse treffen. Dazwischen finden sich einzelne viel ältere Bauwerke der geheimnisvoll prunkvollen Gotik. So steht an der Karl-Liebknecht-Straße majestätisch das Kulturhaus von Babelsberg, was einst als Rathaus des Dorfs Nowaweser erbaut wurde. Für alle Hobby-Historiker ist ebenfalls das Weberviertel sehr interessant. 1750 ordnete Friedrich II. im Zuge des Textilindustrie-Booms den Bau von diversen Weberhäusern an. Viele der kleinen Häuser sind bis heute erhalten und dienen zum Teil als Museen und Ausstellungsräume.

Sehr reich an Prestige und teilweise nicht minder historisch bedeutsam als das Weberviertel ist das Villenviertel im nördlich gelegenen Ortsteil Neubabelsberg. Hier reiht sich ein schmuckes Haus an das andere. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand die Villenkolonie des Großbürgertums. 1944 sollte dann in der Villa der Familie Tresekow die Bombe zum Stauffenberg-Attentat auf Hitler gebaut werden. Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg quartierten sich zu Verhandlungen die Staatsoberhäupter der großen drei Alliiertenmächte in den Villen ein. Heute sind die stattlichen Häuser nach wie vor sehr begehrt. In dem Viertel kostet der Quadratmeter durchschnittlich 3.935 € und ist damit die teuerste Wohngegend in Babelsberg.

Historisch aber knackig jung

Trotz der vielen Villen und anderen teuren Gegenden wie der Karl-Marx-Straße hin zum Griebnitzsee wohnen viele junge Menschen in Babelsberg. Denn die Universität Potsdam hat dort drei Standorte. Entsprechend viele Wohnanlagen für Studenten gibt es in Babelsberg. Eine davon in traumhafter Lage direkt am Park Babelsberg, wo auch das ritterliche Schloss steht. Nicht zuletzt senkt auch die Filmschule Konrad Wolf den Altersdurchschnitt der Medienstadt, dessen Bevölkerung sich auf den Norden und Süden verteilt. Damit steuert Babelsberg viel dazu bei, dass Potsdam nach Mainz und Kiel von den Einwohnern her die drittjüngste Landeshauptstadt in Deutschland ist. Das Durchschnittsalter beträgt 41,2 Jahre.

Ton ab, Kamera läuft und Action!

Natürlich trägt auch das Aushängeschild von Babelsberg, die Film- und Fernsehproduktion, viel dazu bei, dass es vor allem junge Menschen an den Ort zwischen Griebnitzsee und Tiefer See zieht. Nahezu alles dreht sich in Babelsberg um Filme, schließlich begleitet der Stadtteil schon über 100 Jahre das begehrte Medium, also quasi seit dessen Anfängen. Die Medienstadt besteht zum einen aus dem 1911 gegründeten Filmstudio in dem Filmklassiker wie „Metropolis“ und „Sonnenallee“ gedreht wurden, Legenden wie Marlene Dietrich ihre ersten Schritte in der Branche machten und seit einigen Jahren viele Hollywood-Streifen wie „Inglourious Basterds“ und „Cloud Atlas“ ihre Produktionsstätten finden. Das Filmstudio ist mit 156.000 m² das größte in Europa und mit seinen 104 Jahren das älteste Großatelier-Studio der Welt. In der Filmschule werden die Top-Filmmacher von morgen ausgebildet und im Filmpark gibt es Hollywood-Feeling und Kindheitshelden aus dem Fernsehen für jedermann.

So besticht Babelsberg durch Tradition und Geschichte, ohne dabei alt oder öd zu wirken.

 

Titelbild: kallejipp / photocase.de