Seit die SPD rund um Justizminister Heiko Maas Anfang des Jahres vorgeschlagen hat, das Bestellerprinzip auf den Immobilienkauf bzw.- verkauf auszuweiten, wird in der Branche kräftig diskutiert. Was heißt das Bestellerprinzip für Makler? Was bedeutet es für Käufer und Verkäufer? Unsere Immobilienexpertin Kathrin Appler gibt Antworten.

5 Fragen an Kathrin Appler, Leitung Immobilienmanagement und Chief Real Estate Officer (CRO) bei realbest

1. Wie steht realbest zu diesem Vorhaben?

Wir sehen das Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien sehr kritisch, da beim Immobilienkauf ganz andere rechtliche und fachliche Kompetenzen wichtig sind, als bei der Vermietung. Es kann sich für Käufer sogar kontraproduktiv auswirken, da der Makler – wenn er vom Verkäufer bezahlt wird – nur diesen fachlich beraten muss. Gerade Käufer erwerben aber eine Immobilie meist nur einmal im Leben. Es ist eine große finanzielle Verpflichtung, die wohl überlegt ist und gut beraten sein will. Eine gründliche und objektive Beratung beim Immobilienkauf legen wir jedem Käufer nahe. Diese wäre durch die Einführung eines Bestellerprinzips gefährdet. Daher sollte über sinnvollere Alternativen nachgedacht werden, die den Käufer in Sachen Nebenkosten auch wirklich entlasten könnten – wie etwa eine bundesweit einheitliche Grunderwerbssteuer.

2. Was bedeutet eine Einführung für das Geschäftsmodell von realbest?

Davon wären unsere Hauptzielgruppen – die Verkäufer und Käufer – sowie die Makler betroffen, die ein wesentlicher Bestandteil des professionellen Netzwerks von realbest sind. Es ist durchaus möglich, dass es einfacher wird mit dem Bestellerprinzip neue Makler zu gewinnen, da der Leistungsdruck auf diese höher wird und unsere Plattformvorteile – wie leichtere Akquise und hohes Neukundenpotenzial – stärker hervortreten. Zudem könnten Verkäufer darauf bestehen, die Maklerprovision einfach auf den Kaufpreis aufzuschlagen. So landet diese doch wieder beim Käufer, jedoch bezieht er dafür weniger Leistungen. Die Folge wären weniger zufriedene Käufer. Dies würde jedoch konträr zu unserem Anspruch verlaufen, die Immobilienbranche für Käufer transparenter und effizienter zu gestalten.

3. Welche interne Umstellung würde damit einhergehen?

Die Aufteilung der Maklerprovision zwischen Maklern und realbest müsste gegebenenfalls angepasst werden.

4. Welche Auswirkung würde ein solches Gesetz auf den Immobilienmarkt haben?

Es ist davon auszugehen, dass die Nebenkosten durch das Bestellerprinzip zwar sinken, die Kaufpreise im Gegenzug aber steigen würden. Hingegen würden die Provisionen aufgrund der Verhandlungsmacht der Verkäufer absehbar sinken, was wiederum den Wettbewerb unter den Maklern fördern könnte.

5. Welche Auswirkungen hat das Bestellerprinzip für die Käufer?

Wir sehen den Käuferschutz in Gefahr, da die Makler nur noch die Interessen der Verkäufer vertreten müssen. Diese schlagen die Maklerprovision wieder auf den Kaufpreis drauf. Der Käufer hat dann im besten Fall gleiche, überwiegend wohl aber mehr Kosten bei weniger Leistung zu tragen. Aufgrund des höheren Kaufpreises steigt auch die Grunderwerbssteuer. Gleichzeitig steht mehr Eigenkapital zur Verfügung, was einen attraktiveren Hypothekensatz ermöglicht und die höhere Grunderwerbssteuer kompensieren könnte. Doch die höheren Kaufpreise führen auch zu einer größeren Finanzierungssumme, auf die wiederum Zinsen gezahlt werden müssen. Ob am Ende wie beabsichtigt ein finanzieller Vorteil für den Käufer herauskommt, erachten wir als sehr fraglich.

 

Noch ist das Bestellerprinzip für den Immobilienkauf nur ein Diskussionsthema – ob es umgesetzt wird, ist fraglich. Mit welchen Änderungen in der Immobilienbranche Sie dieses Jahr definitiv rechnen können, lesen Sie im Beitrag Immobilienjahr 2017: alle Änderungen im Überblick.