Seit 2007 gibt es den Energieausweis für Gebäude. Er soll klare Informationen über den Energieverbrauch liefern und als Entscheidungshilfe beim Kauf oder Anmieten einer Immobilie dienen. Seit Mai vergangenen Jahres kann sogar ein Bußgeld fällig werden, wenn bei Verkauf oder Vermietung die geforderten Kennwerte aus dem Ausweis nicht angegeben werden – etwa in Immobilienanzeigen oder bei Wohnungsbesichtigungen. Bei Mietern oder Käufern spielt der Energiepass allerdings immer noch kaum eine Rolle. Für sie gilt er als Flop.

Und das hat gute Gründe, wie ein Test des Eigentümerverbands Haus & Grund zeigt: Der in Energieausweisen angegebene Energieeffizienzwert für Wohngebäude unterliegt wesentlich dem Zufall. Der Verband ließ für zwei Gebäude jeweils von fünf verschiedenen Beratern einen Energiebedarfsausweis ausstellen – für ein Mehr- und ein Zweifamilienhaus. Heraus kamen fünf unterschiedliche Ergebnisse.

Verständlich, vergleichbar und einheitlich

Doch das soll sich jetzt ändern. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert von der Bundesregierung, den Energieausweis auf Vordermann zu bringen. Im Zuge der anstehenden Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV) plädiert sie daher für mehr Verständlichkeit, Einheitlichkeit, aber auch Kontrollen. Ziel ist es, den Energieausweis zu einem verbraucherfreundlichen Instrument zu machen. Aber auch: Immobilienbesitzer sowie -nutzer für das Thema „Energieeffizienz“ zu sensibilisieren.

Statt wie bislang zwei unterschiedliche Energieausweise soll es künftig nur noch ein einheitliches Dokument geben, das vergleichbare und verständliche Werte zu Gebäuden liefert und Aussagen über die möglichen Heizkosten ermöglicht. Zurzeit gibt es zum einen den Verbrauchsausweis, der Auskunft über den tatsächlichen Energieverbrauch eines Gebäudes über die letzten drei Jahre gibt. Zum anderen ist da der Bedarfsausweis, der den Energiebedarf eines Gebäudes auf Basis von bestimmten Parametern errechnet. Mieter, Käufer und Investoren haben somit keine geeignete Vergleichsmöglichkeit, welches Gebäude energetisch vorteilhafter ist und künftig weniger Heizkosten verursacht.

Realistische Heizkosteneinschätzung leichter gemacht

Apropos Heizkosten: Diese können schnell zu einer finanziellen Belastung („zweite Miete“) werden. Bislang hilft der Energieausweis nicht weiter, wenn man etwas über potenzielle Kosten für Heizung und Warmwasser erfahren will. Deshalb soll es nach Wunsch der DUH künftig einen einzigen Kennwert geben, über den sich Heizkosten realistisch abschätzen lassen.

Bislang ist der Energieausweis ein mehrseitiges Dokument, das von Fachausdrücken wie Primärenergiebedarf, Endenergiebedarf und Energieverbrauchskennwert nur so wimmelt. Künftig soll der Benutzer mit Hilfe einer Farbskala von A bis G (A = grün, hoch effizient; G = rot, nicht effizient) schnell erkennen können, wo ein Gebäude energetisch zu verorten ist.

Um Verbraucher, Makler und Wohnungsunternehmen für den neuen Energieausweis zu gewinnen, soll es zahlreiche Beratungs- und Informationsmöglichkeiten geben. Aber Vorsicht: Auch Kontrollen sind geplant. Etwa, ob der Ausweis bei Besichtigungsterminen vorgelegt oder bei einer Immobilienwerbung einbezogen wird. Der Grund: Eine Abfrage der DUH im vergangenen Jahr hat ergeben, dass kein Bundesland das bislang kontrolliert.

 

Titelbild: Jürgen Acker/ photocase.de