Auf Rügen sind in diesem Jahr Altbauwohnungen für 14.000 Euro pro Quadratmeter verkauft worden. Ein wahrlich stolzer Preis, den man eigentlich eher auf Sylt oder am Tegernsee erwarten würde. Aber der Osten holt auf und erreicht inzwischen ein Preisniveau, das locker mit dem in München oder Hamburg mithalten kann.

Seitdem Käufer Ferienimmobilien als attraktive Kapitalanlage entdeckt haben, steigen auch die Preise für Häuser und Apartments in den landschaftlich schönsten und beliebtesten Urlaubsregionen. Und der Trend hält weiter an. Vor allem die Inseln vor den Nord- und Ostseeküsten gehören zu den Favoriten deutscher Privatinvestoren. Die Konsequenz: In den vergangenen Jahren sind Urlauberdomizile immer teurer geworden. Auf Juist und Fischland/Darß beispielsweise verlangen Besitzer für Objekte in den Bestlagen mittlerweile 3,5 Millionen Euro. Auf Usedom sind es 4,5 Millionen Euro und auf Norderney 4,9 Millionen Euro. Die „normale“ Preisspanne reicht auf Norderney von 1,8 bis 2,6 Millionen Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser, auf Juist liegen die Preise zwischen 1,3 bis 2 Millionen Euro und auf Usedom zwischen 650.000 und 2,7 Millionen Euro.

Besonderes Domizil, besonderer Preis

Die obere Preisspanne ist damit jedoch längst nicht erreicht. Liebhaberobjekte unter den Ferienimmobilien werden bereits im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich gehandelt. Um diesen Status zu erreichen, muss eine Immobilie nicht nur top ausgestattet sein, sondern auch einen unverbauten Meeres- oder Seeblick haben und natürlich ruhig liegen. Doch solche Immobilien-Juwelen sind rar, der Kaufpreis meist weit abgekoppelt vom Preisniveau des gesamten Angebotes. So etwa wie auf Sylt, wo im ersten Quartal dieses Jahres bis zu 15 Millionen Euro für reetgedeckte Einfamilienhäuser gezahlt wurden. Oder auch auf der Nordseeinsel Norderney, wo man zurzeit bis zu 16.000 Euro pro Quadratmeter für eine schicke Bleibe zahlen muss – Preise, die hier noch vor wenigen Jahren niemand für möglich gehalten hätte.

Zweite Reihe rückt in den Vordergrund

Neu ist zudem, dass inzwischen auch die ostdeutschen Küstenorte in die Liga der fünfstelligen Quadratmeterpreise aufgestiegen sind. Für Neubauwohnungen auf Usedom und in Warnemünde wurden im ersten Quartal 2016 bis zu 10.000 Euro für den Quadratmeter verlangt. Für Immobilienexperten steht damit fest: Der Markt für Ferienobjekte entwickelt sich parallel zum Immobilienmarkt in den angesagten Großstädten. Weil Frankfurt oder München inzwischen für viele Mieter und Käufer als Wohnorte zu teuer geworden sind, werden auch Städte in der Peripherie – etwa Darmstadt oder Ingolstadt – interessant. Die Folgen: Durch den stetigen Zuzug steigen dort die Preise für Wohneigentum mittlerweile noch viel heftiger als in den Metropolen.

Dasselbe passiert zurzeit in den klassischen Ferienregionen: Weil vielerorts zahlreiche Neubauten entstanden sind und die Gemeinden dem jetzt einen Riegel vorschieben, wird Wohneigentum – ganz dem Gesetz von Angebot und Nachfrage folgend – immer wertvoller. Dadurch rücken auch die Destinationen aus der zweiten Reihe in den Vordergrund und erleben teils heftige Preissprünge. Immobilien-Analysten gehen davon aus, dass das auch künftig so bleibt. Denn die Nachfrage nach Feriendomizilen ist ungebrochen. Außerdem planen auch immer mehr Menschen ihren Urlaub im eigenen Land. Laut Deutschem Ferienhausverband wollen in diesem Sommer (wie auch in den vergangenen Jahren) wieder 33 Prozent ihrer Klientel die schönsten Wochen des Jahres in einem Häuschen hierzulande verbringen.

 

Titelbild: Seleneos/ photocase.de