Der BFW Landesverband Berlin/Brandenburg e.V. umfasst aktuell 240 Mitgliedsunternehmen aus der regionalen Immobilienwirtschaft. Er vertritt ihre übergeordneten Interessen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Daneben bietet er seinen Mitgliedern sowohl den Zugang zu einem umfangreichen personellen Netzwerk als auch die Nutzung der umfangreichen Sachkompetenz der Verbandsinstitutionen.

Im Interview spricht realbest mit Susanne Klabe. Die neue Geschäftsführerin des BFW trat ihr Amt am 01. Juli 2015 an. Sie löste in dieser Funktion Hiltrud Sprungala ab, die zu diesem Zeitpunkt in den Ruhestand trat. Vor ihrer neuen Herausforderung beim BFW war Susanne Klabe als studierte Juristin lange Zeit in der Geschäftsführung des Berliner Liegenschaftsfonds tätig und verantwortete hier den Vertriebsbereich. Nicht zuletzt ihre langjährige Immobilienerfahrung gepaart mit bereits vorangegangenem Engagement für den BFW öffneten Susanne Klabe die Tür der Geschäftsführung des Spitzenverbandes. Gegenüber höheren Institutionen fördert sie das Image der Branche und tritt bei politischen Entscheidungen für die Interessen ihrer Mitglieder ein.

Welche Voraussetzungen müssen Firmen erfüllen, um BFW-Mitglied zu werden?

Mitgliedsunternehmen müssen sich nach ihrem Unternehmenszweck in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft betätigen und ihren Sitz im Verbandsgebiet Berlin/Brandenburg haben.

Die Mitgliedschaft besteht im Wesentlichen aus drei nach Haupttätigkeitsfeldern unterscheidbaren Gruppen Zum einen sind es Unternehmen die als Projektentwickler oder Bauträger Wohn- und Gewerbebauten und die dazu gehörige Infrastruktur errichten. Eine zweite Gruppe sind die Immobilienverwalter, die eigene oder fremde Immobilienbestände verwalten. Betreut und verwaltet werden dabei sowohl Mietwohnungsobjekte als auch Objekte von Wohneigentümergemeinschaften oder Gewerbeobjekte. Die dritte Gruppe in der Mitgliedschaft hat sich auf immobilienspezifische Dienstleistungen spezialisiert. Die breite Palette reicht dabei vom Facility Management über immobilienspezifische Beratungs- und Vermittlungsleistungen bis hin zur Immobilienfinanzierung.

Womit beschäftigen sich derzeit die Mitglieder des BFW?

Die Mitglieder sind angesichts der hohen Nachfrage und der günstigen Zinssituation in der Regel in praktisch allen genannten Geschäftsfeldern gut ausgelastet und steigern ihre Umsätze deutlich. Allerdings sind die Margen der Unternehmen durch die Kostenentwicklung tendenziell gefährdet.

Was sind die derzeitigen Herausforderungen an Bauträger und die Trends der Branche?

Derzeit verschlechtern sich die Rahmenbedingungen für das Bauen an vielen Stellen gleichzeitig, obwohl eine hohe Nachfrage insbesondere nach Wohnungen besteht. Das betrifft den steilen Anstieg der Grundstückspreise ebenso wie den Anstieg der Baukosten. Veränderungen in Gesetzen, Baubestimmungen und Normen führen, neben einem Baukostenanstieg, in der Regel auch zu komplizierteren und damit längeren und ihrerseits kostenintensiveren Planungs- und Genehmigungsverfahren. Gleichzeitig wächst die Rechtsunsicherheit für die Unternehmen.

Darüber hinaus wird in Berlin durch das sogenannte Kooperative Baulandmodell versucht, einen überproportionalen Anteil der Kosten der Folgeinfrastruktur, darunter Erschließung, Kitas und Schulen, auf die Projektentwickler und Bauträger abzuwälzen. In der Summe aller genannten steigenden Kostenbelastungen gerät die Wirtschaftlichkeit von Neubauvorhaben bereits jetzt immer stärker in Gefahr. Sollte hier nicht kurzfristig eine Wende eintreten, für die unser Verband auf den verschiedenen genannten Problemfeldern aktiv kämpft, ist mittelfristig mit einem deutlichen Rückgang des Bauens, insbesondere des Wohnungsbaus, in der Region zu rechnen. Angesichts der gleichzeitig enorm steigenden Nachfrage durch die Zuwanderung nach Berlin ist das eine fatale Entwicklung.

Welche Individualisierungswünsche haben die Käufer und inwieweit können die Bauträger diesen gerecht werden?

2015 geht der Trend wieder stärker zur Eigentumswohnung, statt zum Eigenheim. Immer mehr Menschen zieht es in die City, insbesondere Zuwanderer aus anderen urbanen Ballungsgebieten. Darüber hinaus führt einerseits die „Single-Hauptstadt Berlin“ dazu, dass Bauträger und Projektentwickler verstärkt kleinere und kompakte Wohnungen bauen. Andererseits spielt nicht zuletzt die Kostensituation eine wesentliche Rolle. Durch die aus den genannten Gründen steigenden Quadratmeterkosten der Neubauwohnungen entsteht bei gleicher Wohnkostentragfähigkeit der Haushalte eine höhere Nachfrage nach kleineren Wohnungen. Ungeachtet dessen bieten unsere Bauträger eine breite Vielfalt an Individualität nach Größe, Lage und Ausstattung an. Besonders wichtig sind den Kaufinteressenten dabei Balkons oder Terrassen. Völlig unverzichtbar sind jedenfalls Aufzüge. Wenig nachgefragt werden dagegen derzeit spezielle altengerechte Wohnungen. In der Regel bauen die Unternehmen die Neubauwohnungen allerdings von sich aus barrierearm und für eine seniorengerechte Nutzung nachrüstbar.

Susanne Klabe_bearbeitet

Susanne Klabe, Geschäftsführerin des BFW

 

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