Mitten in der pulsierenden Mainmetropole Frankfurt, zwischen dem steinernen und alt-ehrwürdigen Hauptbahnhof und den modernen, gläsernen Bürotürmen der City, liegt das Frankfurter Bahnhofsviertel. Obwohl Frankfurt-Bahnhofsviertel der zweitkleinste Stadtteil der Bankerstadt ist, entwickelt sich dort ein einmaliges Nebeneinander, was man in anderen Stadtteilen wohl vergeblich suchen mag. Das Viertel wird für immer mehr Menschen attraktiv, denn nicht nur die zentrale Lage, sondern auch die in den letzten Jahren teils aufwendig sanierten und umgestalteten Gründerzeitbauten mit großzügig geschnittenen Wohnungen, üben einen besonderen Reiz auf gutverdienende Singles aus, die in der Kreativbranche tätig sind.

Das schlägt sich in der Zusammensetzung der Bevölkerung nieder: Das Bahnhofsviertel ist der Stadtteil in Frankfurt, in dem die Zahl der Kinder je Frau am niedrigsten ist. Und obwohl das Viertel eines der am wenigsten dicht besiedelten in Frankfurt ist, steigt die Einwohnerzahl seit 2010 kontinuierlich an und übertrifft sogar das gesamtstädtische Wachstum. Ob man nun in ein luxuriöses Sternerestaurant einkehren oder die Nacht in einem angesagten Technoclub verbringen möchte: das Bahnhofsviertel bietet dem Besucher oder Bewohner viele aufregende Seiten.

Vom „Centralbahnhof“ zum Trendviertel

Als der heutige Frankfurter Hauptbahnhof 1888 als Centralbahnhof Frankfurt seine Eröffnung feierte, war das heutige Gelände des Bahnhofsviertels nur staubiges Ödland. Innerhalb von knapp zehn Jahren jedoch, säumten die Gegend bereits elegante Hotels und mondäne mit Stuck besetzte Wohnhäuser. Zahlreiche Luxusgeschäfte siedelten sich in der Kaiserstraße, der Hauptmeile des neuen gehobenen Wohnviertels, an. Erst mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Besatzung durch die Amerikaner begann das Rotlicht am Bahnhof zu florieren und führte zum Verfall des Quartiers. Viel Gebäudesubstanz wurde abgerissen, das Viertel verwahrloste zunehmend. Gerade in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren galt die Gegend rund um den Bahnhof als sozialer Brennpunkt, der geprägt war von der Drogen- und Rotlichtszene. Mit der Einrichtung von sozialen Auffangeinrichtungen verläuft der Drogenmissbrauch in kontrollierten Bahnen.

Das Bahnhofsviertel soll lebendig bleiben

Heute ist das Viertel dank zahlreicher Sanierungsmaßnahmen wieder ein attraktiver Wohnstandort. Lebenswert macht es wahrscheinlich auch die Vielzahl von internationalen Restaurants, Imbissen und Lebensmittelgeschäften, die das bunte Bild des Stadtteils prägen. Die Beliebtheit des Viertels macht sich nicht nur in dem Anstieg der Bevölkerung bemerkbar, sondern auch in der Entwicklung der Mieten. So stiegen die Mieten nach Zahlen der bulwiengesa im Neubau bei Erstbezug seit 2005 von knapp 10 Euro pro Quadratmeter bis 2014 auf 13,40 Euro pro Quadratmeter.

Damit liegt das Bahnhofsviertel sogar über dem Frankfurter Durchschnitt. Frankfurt hat in zehn Jahren 20 Millionen Euro investiert, um Sanierungen von Wohnungen und die Umwandlung von Gewerberaum in Wohnraum attraktiver zu machen. Die Anzahl der Wohnungen stieg um 20 Prozent. Trotz dieses Erfolgs wird das Bahnhofsviertel laut zuständiger Verwaltung Drogen- und Rotlichtbezirk bleiben. Damit soll eine ausgewogene Mischung in diesem außergewöhnlichen Viertel möglich gemacht werden.

 

Titelbild: schnee von gestern / photocase.de