Vom traditionsreichen Arbeiterbezirk entwickelte sich Neukölln zum frivolen Amüsierviertel und ist jüngst als Home of the Hipster bekannt. Denn die junge Stadtkultur aus Clubs und Kleinkunst boomt in Berlins berüchtigtem Bezirk, der bis vor einigen Jahren oft Schlagzeilen wegen urbaner Unruhen machte.

Neuköllns abenteuerlicher Charme kommt nicht von ungefähr. Bereits im Jahr 1912 sollte der damals noch eigenständige Ort mit einer Umbenennung von Rixdorf in Neukölln von seinem liederlichen Image befreit werden. Heute wirkt das verwegene Ansehen des mit 44,93 km² drittkleinsten Bezirks von Berlin eher attraktiv als negativ. So sind es im nördlichen Raum vor allem junge Leute aus Deutschland und der ganzen Welt, die nach Neukölln ziehen und diesem Stadtteil sein internationales Flair verleihen. Studenten und Kleinkünstler entdecken die Szene an der Grenze zu Kreuzberg für sich und genießen ihr Leben in schummrigen Kneipen, kleinen Läden und angesagten Clubs.

Es ist die Vielfältigkeit, die die jungen Menschen anzieht wie das Licht die Motten. Hierbei hat Neukölln aber auch jenseits des Landwehrkanals eine Menge zu bieten. So erstreckt sich an der Hermannstraße eine interessante Kette aus internationalen Geschäften. Türkische Märkte, libanesische Restaurants und fernöstliche Läden für den spirituellen Bedarf sind nur ein kleiner Teil dieses multikulturellen Zusammenlebens bei dem auf jeden Quadratkilometer 7.249 Einwohner kommen. Damit weist nur noch Friedrichshain-Kreuzberg eine größere Einwohnerdichte auf. Auch die Karl-Marx-Straße bietet als Einkaufsstraße mit den Neukölln Arcaden viel Abwechslung.

Wer dem bunten Stadttreiben für einige Zeit entfliehen möchte, hat dazu in Parkanlagen wie dem südlich gelegenem Britzer Garten Gelegenheit. See und Café laden dazu ein, die Seele baumeln zu lassen. Zentraler liegt der Volkspark Hasenheide. Dort gibt es mit großzügigen Wiesen, Tiergehege und Freiluftkino genügend Platz und Aktivitäten für die ganze Familie. Auch das an Neukölln angrenzende Tempelhofer Feld eignet sich perfekt zum Toben. Auf dem ehemaligen Flugplatz können Jung und Alt Inlineskaten, Drachensteigen lassen und grillen. Auch familiäre Freizeitangebote sowie Wohnraum sind in Neukölln sehr gefragt. Schließlich ziehen nicht nur junge Studenten zu, sondern auch viele Familien sind in dem vielfältigen Bezirk wohnhaft. So beträgt die durchschnittliche Kinderzahl 1,44 und ist damit die höchste unter Berlins Stadtteilen.

Damit ist Neukölln längst nicht mehr das klischeehafte Problemviertel Berlins, sondern ein lebendiger Ort, der viel an junger Kultur, Internationalität und Familienleben zu bieten hat. Dafür sprechen auch die Immobilienpreise, die in den letzten Jahren aufgrund großer Nachfrage so sehr angestiegen sind, wie in keinem anderen Stadtteil von Berlin. Noch liegen diese zwischen 2.000 und knapp über 3.000€ pro Quadratmeter und somit im Berliner Mittelfeld. Bei der wachsenden Beliebtheit an der sich Neukölln erfreuen darf, kann sich dies aber schnell ändern.

 

 

Titelbild: prokop / photocase.de