Wohnen in einem Hochhaus? Nein, danke! Diese Reaktion ist dem eher miesen Image der Wohnriesen geschuldet. Hochhäuser, das sind die Betonklötze irgendwo in der Peripherie der Innenstädte. Sozial schwieriges Umfeld, vergammelte Grünanlagen. Irgendwie Platte, egal, ob Ost oder West. Hochhaussiedlungen, das ist die Gropiusstadt in Berlin oder der Mümmelmannsberg in Hamburg. Da wohnt man nicht freiwillig.

Trendsetter Wohnturm – modern und platzsparend

Soweit die alten Vorurteile. Dabei haben sich die einst verpönten Wohnkästen längst in moderne Lebensstätten verwandelt. Wohnhochhäuser haben nichts mehr mit hässlichem Billigbau zu tun. Sie sind begehrt wie nie zuvor. Der Grund: Sie stehen mitten in den Stadtzentren; urbaner geht es nicht. Die Wohnungen sind qualitativ hochwertig und großzügig geschnitten. Denn man spart Platz, wenn man in die Höhe baut, da die Grundfläche dieselbe bleibt, ob es nun drei oder zwölf Stockwerke nach oben geht. Das macht das Ganze kostengünstiger. Denn Grundstücke in den Innenstädten sind rar und deshalb teuer. Dann ist da noch der unschlagbare Blick über die Stadt. Vor allem abends liegt Bewohnern der oberen Etagen die Stadt wortwörtlich zu Füßen. Und ganz wichtig: In Zeiten, in denen immer mehr Menschen in die Großstädte drängen, sind Hochhäuser die einzig mögliche Antwort auf die wachsende Zahl von Neubürgern.

Das hat man in den USA schon vor mehr als 100 Jahren erkannt. Mangel an Bauflächen und schwindelerregende Bodenpreise bei gleichzeitiger Bevölkerungsexplosion zwang Städte wie Chicago oder New York, in die Höhe zu wachsen. Dank Baumaterialien und verbesserter Konstruktionstechnik ging das Hochbauen schon damals. Der Trend schwappte später auf Europa über. Hier machte man aber den Fehler, die neuen Hochhaussiedlungen in die Randlagen zu verbannen. Isoliert vom Rest der Stadt verkamen sie schnell zu Trabanten- und Schlafstädten.

Weg mit den Einheitskisten, her mit der Ästhetik

Doch jetzt wendet sich das Blatt. Das Hochhaus erfährt eine Renaissance in zeitgemäßer Version. Die modernen Riesen sollen zwar möglichst viele Menschen auf engem Raum beherbergen. Denn immerhin wohnen schon jetzt mehr als 75 Prozent der Deutschen in den Städten und der Trend hält an. Aber die Häuser sollen auch die Stadtsilhouette bereichern. Keine grauen Einheitskisten mehr. Stattdessen ästhetische Gesamtkunstwerke, die Architekturpreise gewinnen. Vorbilder gibt es reichlich: in New York, Dubai, London oder Moskau. Dort ragen die Wohngiganten nicht selten mehr als 150 Meter in die Höhe und sind dabei noch etwas fürs Auge.

Hierzulande geht es vermutlich eine Nummer kleiner. Aber Städte wie Berlin oder Frankfurt werden künftig durch Wohntürme geprägt sein, sagen die Forscher des Analysehauses bulwiengesa in einer aktuellen Untersuchung. Allein bis 2018 entstehen deutschlandweit schon 79 Wohnhochhäuser, die meisten davon in Berlin. Damit bekommt die Hauptstadt in den kommenden zwei Jahren 2.700 neue Wohnungen – verteilt auf nur 19 Häuser. Da geht sicher noch mehr, und da heute ein verantwortungsbewusster Umgang mit Stadtbildern herrscht, sollte auch niemand Angst oder Unmut gegen die geplanten Riesen verspüren.

 

Titelbild: madochab/ photocase.de