Vielfältigkeit muss nicht laut und chaotisch sein. Das beweist Berlins Ortsteil Schöneberg. Hier liegen Großbürgertum, lebhafte Party-Szene und Naturpark friedlich beieinander. So hat sich Schöneberg als abwechslungsreiche und dennoch ruhige Wohngegend einen Namen gemacht. Ca. 117.524 Einwohner leben hier, so viele wie sonst nirgendwo im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Buntes Treiben im Norden

Im Norden ist Schöneberg zum einen von Berlins angrenzender West-Shoppingmeile vom Kurfürstendamm bis in die Tauentzienstraße geprägt. Daher ist Schöneberg ein guter Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Shopping-Tour durch zahlreiche Geschäfte. Nicht zuletzt liegt hier eines der bekanntesten Einkaufszentren Deutschlands: das KaDeWe. In unmittelbarer Nähe hat sich rund um den Nollendorfplatz Berlins Regenbogen-Szene mit Kneipen, Bars und Begegnungsstätten etabliert. Südlich des Nollendorfplatzes dagegen findet der Wochenmarkt am Winterfeldtplatz statt, der größte in Berlin. Drum herum laden viele Cafés und Kunsthandwerkstätte zu entspannten Feierabenden und Sonntagnachmittagen ein.

Von Politik- bis Musikgeschichte

Weiter westlich lockt das Bayerische Viertel gutsituierte Menschen an. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Gegend mit Gebäuden im süddeutschen Renaissancestil bestückt. Diese Bauten litten während des Zweiten Weltkriegs unter starker Zerstörung, sodass das Bayerische Viertel heute viel mehr aus Gebäuden im modernen 50er-Jahre-Stil besteht.  Durchschnittlich liegt der Kaufpreis pro Quadratmeter in Schöneberg bei 4.230 €, der sich langsam dem Wert in Prenzlauer Berg annähert.

Angrenzend zum Bayerischen Viertel liegt der längliche Rudolph-Wilde-Park mit Grünflächen und einem kleinen See. Vor dem Park ist das majestätische Rathaus von Schöneberg zu finden. Aus hellem Sandstein und mit einem imposanten Turm ausgestattet liegt es an einem historisch bedeutsamen Platz. Dieser erlangte internationale Berühmtheit als 1963 der damalige US-Präsident John F. Kennedy dort sein legendäres Bekenntnis „Ich bin ein Berliner“ ausrief.

Auch an der nahe gelegenen Hauptstraße wurde Geschichte geschrieben. Und zwar Musikgeschichte. Hier wohnten und komponierten in den 70er Jahren unter anderem der Glam Rocker David Bowie und Punklegende Iggy Pop, die für weltbekannte Songs wie „Heroes“ oder „Wild one“ sorgten.

Aufmarsch der Natur

Eine weitere beliebte Wohngegend in Schöneberg sind neben dem Bayerischen Viertel die Ceciliengärten. Die Wohnanlagen aus den zwanziger Jahren bestechen durch an den Jugendstil angelehnte Architektur. Ornamente und Spitzendächer zieren die Gebäude ebenso wie ringsum die großzügigen Gartenanlagen mit japanischen Blütenkirschen. Solche großflächigen Grünflächen sind überall in Schöneberg zu finden, ob auf privaten oder öffentlichen Grundstücken. Das macht Schöneberg zu einem der wohl grünsten Gegenden in Berlin.

Wer dennoch mehr Raum braucht, um seinen grünen Daumen zu trainieren, der dürfte in der südlich gelegenen Kleingartensiedlung auf seine Kosten kommen. Diese ist in Berlin nämlich die Größte überhaupt. Im Stadtquartier Südgelände findet sich zudem ein einzigartiger Naturpark. Dieser war einst Bahn- und Rangiergelände des benachbarten Flughafens Tempelhof. Mit der Stilllegung des Flughafens wurden auch die Bahnlinien nicht mehr genutzt. 50 Jahre übernahm hier wieder die Natur das Regiment, bis die verwilderte Fläche von engagierten Bürgern und Umweltstiftungen als Park naturliebenden Menschen zugänglich gemacht wurde. Seither wandern Spaziergänger im Naturpark Schöneberg zwischen den unterschiedlichsten Pflanzen und verfallenen Locks.

 

Titelbild: LeMO Jahreschronik 1963