Der Hardenberg-Tower am Zoo – 52 Etagen und 209 m hoch:

Sie entwerfen Projekte in ganz Deutschland, was fasziniert Sie besonders an Berlins Stadtbild?

Was hat Sie grundlegend für den Entwurf dieses beeindruckenden Gebäudes inspiriert? Auch der Upper West Tower stammt von Ihnen – worin gründet Ihr Faible für Hochhäuser?

Die AG City, eine einflussreiche Vereinigung der Kaufleute und Grundstücksbesitzer rund um die Berliner Gedächtniskirche in Berlin Charlottenburg, engagiert sich seit einiger Zeit dafür, den Hardenbergplatz zu einem attraktiven städtischen Raum zu entwickeln. Um dies sicher zu stellen, muss der Platz intelligent und ansprechend – mit urbanen Nutzungsangeboten Cafes, Restaurants, Shops – bebaut werden, um die Qualität des Ortes deutlich zu erhöhen.

Ich teile diese Auffassung und habe einen entsprechenden Bebauungsvorschlag – den Hardenberg – entworfen, um den Bestrebungen der AG City ein „Gesicht“ zu verleihen.

Ziel ist es, dem Hardenbergplatz eine räumliche Fassung auch nach Norden zu geben und ihn dadurch architektonisch, ästhetisch und funktional aufzuwerten. Der „Hardenberg“ unterstreicht dieses Ziel. Durch die zentrale Anordnung am Ende des Platzes bildet er keinen Abschluss dessen, sondern fungiert viel mehr als „Torhaus“, das den Eingang zum Zoo und zum Tiergarten weithin sichtbar markiert.

Nicht zuletzt dadurch gelingt es, an die Tradition der aufstrebenden City West anzuknüpfen und den aktuellen Schwung ihrer Entwicklung weiter zu befeuern.

Vor diesem Hintergrund haben wir auch die Bebauung des Gebietes rund um die Berliner Gedächtniskirche vorangetrieben und das Hochhaus Upper West entworfen sowie dessen Umsetzung forciert. Die City West „schreit“ quasi nach Hochhäusern. Denn sie entstehen dort, wo die potentielle Wertschöpfung am größten ist. Wo sonst, wenn nicht in der City West, können und sollen Hochhäuser entstehen?

Was sind besondere Details des Hardenberg-Towers? (Design, Energie, Nachhaltigkeit, Ausstattung…) Gibt es einen bestimmten Baustil und was möchten Sie damit ausdrücken?

Es gibt keine Baustile mehr, zumindest nicht in dem Sinne, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen. Ziel ist, dem Gebäude auch in ästhetischer Hinsicht einen zeitgemäßen Ausdruck zu verleihen, der nicht in die Vergangenheit sondern in die Zukunft weist.

Das Hochhaus wird 52 Stockwerke hoch sein, die sich über 209 Meter erstrecken. Damit wäre der „Hardenberg“ das höchste Haus der Stadt. Entstehen wird ein Hybridhochaus mit unterschiedlichen Nutzungen.

In den 52 Stockwerken des „Hardenberg“ finden sowohl Einzelhandel, Büros und Privatwohnungen, als auch ein Hotel mit 230 Zimmern Platz. Den verschiedenen Nutzungen sind jeweils Dachgärten, in Form von Terrassen, Loggien oder eines Stadtbalkons vorgelagert, so dass der Turm auch als vertikaler Garten wahrgenommen wird. Ein besonderes Highlight stellt die öffentlich zugängliche Skybar mit einer angeschlossenen Aussichtsplattform dar, da sich von ihr die gesamte Stadt überblicken lässt.

Unterhalb des Platzes und des neuen Gebäudes soll eine große Garage entstehen, die alle Elemente der Mobilitätskette der Zukunft berücksichtigt: Fahrräder, E-Bikes, Car-Sharing, Ladestationen für E-Mobility, Touristenbusse und die Anbindung an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

Mit dem Hardenberg wollen wir neue Standards der Nachhaltigkeit im Hochhausbau setzen. Dabei wollen wir erneuerbare Energien wie Wind und Sonne effizient und effektiv nutzen und alle Möglichkeiten der Einsparung und der Wiedergewinnung von eingesetzter Energie nutzen. Ziel ist es, ein Null-Energie-Hochhaus zu errichten, die entsprechenden technischen Maßnahmen zu ergreifen und damit den ökologischen Fingerabdruck des Gebäudes insgesamt zu optimieren.

Pro und Contra – Der Hardenberg-Tower ist stark in der Kritik. Was denken Sie sind die größten Bedenken der/des Bürger/Senats einen solch hohen Turm zu bauen? Und wie stehen Sie dazu? Wie ist der aktuelle Stand – Was können/wollen Sie tun, um die Bürger zu überzeugen, dass dieser Tower vorteilhaft ist?

Die heutige Entwicklung in puncto Hochhäuser, insbesondere Wohnhochhäuser, unterscheidet sich fundamental von jener der 60er- und 70er-Jahr. Wurden damals und in Folge in den weiteren Jahren Hochhäuser sehr kritisch „beäugt“ und kommentiert, so zeichnet sich jetzt ein Trend für Hochhäuser ab. Und wenn wir ehrlich sind: Es gibt keinen rationalen Grund, der gegen ein Hochhaus spricht. Weder aus ökonomischer noch aus ökologischer Sicht. Wir müssen schon alleine aus Platzgründen in die Höhe bauen, alles andere wäre Größenwahn.

Der steigende Zuzug von Menschen in Deutschlands Metropolen und die zunehmende Flächenknappheit zwingen zur Verdichtung bzw. Nachverdichtung der urbanen Zentren, zur Nutzungsmischung, zum Flächensparen und zu städtebaulichen Konzepten nach dem Motto: Stadt der kurzen Wege. Dies entspricht im Übrigen den klassischen Forderungen und Vorgaben eines nachhaltigen Städtebaus, wie es bereits in den 90er-Jahren in den entsprechenden UNO-Resolutionen verabschiedet wurde.

Laut einer aktuellen Umfrage („Wohnhochhaus heute“ Grundlagenstudie 2015 von Sition, OC&C Strategy Consultants, Innofact AG) gehen viele Deutsche davon aus, „dass in den kommenden Jahren immer mehr Hochhäuser gebaut werden“. Damit offenbart sich nicht nur ein Imagewandel, sondern auch eine möglicherweise neue Sicht auf Deutschlands Städte der Zukunft.

Auch vor diesem Hintergrund gehe ich davon aus, dass die Akzeptanz für Hochhäuser generell und für den „Hardenberg“ im Speziellen ständig wächst. Ich bin zuversichtlich, dass in diesem Zusammenhang auch politische Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Was planen Sie zukünftig für Projekte und wie sieht Ihre „Stadt der Zukunft“ aus?

 Über das Thema „Zukunft der Stadt“ gibt es seitenweise Abhandlungen. Sie nur kurz zu erläutern, wäre vermessen. Deshalb möchte ich jetzt nur auf bisher ungenutzte Potentiale in Berlin eingehen – sämtliche Potenziale neben den Hochhäusern.

Die Dächer der Stadt Berlin, auch die „5. Fassade“ genannt,  bieten noch unzählige Möglichkeiten. Ziel ist es, Berlin von oben zu begrünen, Dachgärten und zusätzliche Dachgeschosse zu bauen. Berlin sozusagen vertikal nachzuverdichten – durch Terrassen, Dachaufbauten, Penthouses, Staffelgeschosse, Terrassenhochhäuser und Hochhäuser mit vertikalen Gärten (siehe Hardenberg).

Damit würde man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  1. Die Innenstadt wird als Wohnraum attraktiver
  2. Die Stadt wird gemäß der Uno-Resolution für nachhaltigen Städtebau nachverdichtet,
  3. Die Dachgärten leisten einen messbaren Beitrag zu den Themen: Luftqualität, Temperatur, Akustik (Stichwort: Stadtökologie)
  4. Es entsteht mehr Wohnraum
  5. Die Immobilien werden wertvoller
  6. Berlin erhält ein wahrnehmbares Alleinstellungsmerkmal, das kaum eine vergleichbare Stadt anzubieten hat

Ansonsten sind wir an vielerlei neuen Projekten in der gesamten Republik beteiligt.

Grundstücke in der Innenstadt sind teuer. Daher bauen viele in die Höhe. Aber wo hört man auf? Für viele Stadtviertel in Berlin gilt eine maximale Traufhöhe von 22 Meter.

  1. Die Traufhöhe von 22 m, als städtisches Gestaltungsprinzip, ist eine Erfindung der 90er-Jahre. Die vor dem 2. Weltkrieg letzte städtebauliche Entwicklungsphase war bereits bei einer Traufenhöhe von ca. 35 m angelangt, z.B. in der Behrenstraße, im damaligen Berliner Bankenviertel.
  2. Die dogmatische Einhaltung der Traufenhöhe von 22 m als Regulierungsinstrument der Stadtentwicklung wird bereits von den zuständigen Politikern (siehe aktuelle Interviews mit z.B. Regierender Bürgermeister Müller oder Stadtentwicklungssenator Geisel) in Frage gestellt.

Es ist daher davon auszugehen, dass die „Schallmauer“ der Höhenentwicklung der Stadt Berlin bereits durchbrochen ist.

Portrait_Christoph Langhof

Christoph Langhof, Architekt