Dass jedes Familienmitglied ein eigenes Zimmer hat, war bis vor wenigen Jahrzehnten noch unüblich. Heute gehört dies neben einer geräumigen Küche und einem Balkon für viele Wohnungsmieter und -eigentümer zur Grundausstattung. Der wachsende Wohlstand in Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu beigetragen, dass sich die Wohnwünsche gewandelt haben. Ein gutes Beispiel sind die veränderten Ansprüche an die Wohnfläche. Im Jahr 1960 betrug die durchschnittliche Pro-Kopf-Wohnfläche noch 19 Quadratmeter, 1990 waren es bereits knapp 35 Quadratmeter und 2013 standen jedem Einwohner im Durchschnitt rund 45 Quadratmeter zur Verfügung. Dieser Trend wirkt sich auch auf den Neubau aus. Bauträger und Projektentwickler bauen immer größere Wohnungen, um die Nachfrage zu bedienen.

Wachsende Wohnfläche dank demografischem Wandel und kleineren Haushalten

Neben dem gestiegenen Wohlstand gibt es noch weitere Gründe, die das Wohnflächenwachstum in den vergangenen Jahrzehnten vorangetrieben haben. Zum einen nimmt die durchschnittliche Anzahl der Personen, die zusammen in einem Haushalt leben seit langem ab. Dem Forschungsinstitut empirica zufolge sank der Anteil der Vier-Personen-Haushalte zwischen 1991 und 2012 von 18 auf zwölf Prozent, der der Drei-Personen-Haushalte von 17 auf zwölf Prozent. Machten Ein- und Zwei-Personen-Haushalte 1991 noch etwa zwei Drittel aller Haushalte aus, waren es 2012 bereits mehr als drei Viertel. Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe. Neben der zunehmenden Zahl an Single-Haushalten und dem Geburtenrückgang sorgt auch die wachsende Zahl der Senioren, die meist alleine oder zu zweit leben, für einen Anstieg der Pro-Kopf-Wohnfläche.

In Metropolen sind auch kleinere Wohnungen gefragt

Viel Wohnfläche bedeutet viel Komfort, aber auch einen höheren Preis. Wer möchte nicht gerne in einer geräumigen, 120 Quadratmeter großen Eigentumswohnung leben? Hat man die finanziellen Möglichkeiten, fällt die Entscheidung zwischen 70 und 120 Quadratmetern leicht. Der Blick auf die eigenen Finanzen erschwert vielen Wohnungsinteressenten – ob Käufer oder Mieter – jedoch die Suche nach ihrer Traumimmobilie. Denn je größer die Wohnfläche, desto höher der Gesamtpreis – das gilt vor allem in den Großstädten.

Projektentwickler sehen sich in Deutschland neben der steigenden Wohnflächennachfrage auch mit einer Vielzahl preisbewusster Wohnungsinteressenten konfrontiert. Und so bildet sich in einigen innerstädtischen Lagen bereits ein Gegentrend hin zu kleineren Wohnungen heraus. Einige Projektentwickler haben dem Credo „größer bauen“ schon abgeschworen und verringern die Wohnfläche wieder. Sie konzentrieren sich auf Wohnungen mit kompakten Grundrissen, die sich eine möglichst große Zahl an Interessenten leisten kann. Das haben auch Kapitalanleger erkannt: Sie setzen gezielt auf die steigende Nachfrage nach kleineren Wohnungen in den Zentren der Metropolen.