Gesucht: Eine innenstadtnahe Wohnung mit 30 bis 45 Quadratmetern Wohnfläche, am besten teilmöbliert und gut angebunden an Bus, Bahn und Fernstraßen. So lässt sich das Suchprofil von immer mehr Wohnungssuchenden zusammenfassen. Seit Jahren steigt in den Städten der Anteil an Ein- und Zwei-Personen-Haushalten. Die Zahl der Singles, Pendler, Studenten und Berufseinsteiger wächst: Sie alle brauchen bezahlbaren Wohnraum in urbaner Lage. Immer mehr Immobilienunternehmen reagieren auf die konkrete Nachfrage in bestimmten Städten und bieten vom Gebäude mit mehr als 200 vollmöblierten Mikro-Wohnungen mit Waschservice bis zum Einzel-Appartement zum selbst Einrichten eine ganze Bandbreite von Wohnformen an. Vor allem in den Metropolen werden diese kompakten Wohnlösungen gesucht.

Die Nachbarn im gemeinschaftlichen Dachgarten treffen

Kleine Wohnungen und Mikro-Wohnungen, die auch weniger als 20 Quadratmeter messen können, sind für den flexiblen Bewohner gedacht. Etwa für den Berufspendler, der eine Zweitwohnung sucht, die nicht viel Arbeit macht und dennoch das Nötigste bietet. Auch Studenten weichen immer öfter auf kleine Appartements aus, da in vielen Universitätsstädten die Studentenwerke nicht genügend Zimmer anbieten können.

Viele von ihnen haben noch keine eigenen Möbel und suchen gezielt nach bereits eingerichteten Wohnungen. Gemeinschaftsangebote wie ein für alle zugänglicher Dachgarten kommen besonders bei Studenten sehr gut an. Zudem spielt ein genereller gesellschaftlicher Trend den Entwicklern von Wohnangeboten auf kleinem Raum in die Karten: Deutschland ist mittlerweile ein Land der Singles. Immer mehr Menschen suchen eine Wohnung für sich allein. Dem Großteil reicht eine Zweizimmerwohnung, viel wichtiger sind meist eine zentrale Lage sowie Restaurants und Bars in der direkten Umgebung.

Worauf deutsche Bauträger und Projektentwickler bei kleinen Wohnungen setzen

Kompakte Wohnformen sind nicht neu – in Nordamerika lebt man in „studios“, in England in „bachelor appartments“. Besonders in den bevölkerungsreichen Metropolen Asiens ist Enge die Normalität in Sachen Wohnen. In Deutschland hat der Markt für kleine Wohnungen in den vergangenen Jahren einen Schub bekommen, weshalb immer mehr Unternehmen sich entscheiden, den Wohntrend aufzugreifen. Die Angebote entstehen entsprechend der Nachfrage meist direkt in oder nahe der Innenstadt. Geworben wird in vielen Fällen mit der Kombination aus hoher Wohnqualität, Privatsphäre und Flexibilität.

Wird die Wohnung bereits ausgestattet angeboten, wird Wert darauf gelegt die Möbel, Materialien und Farben so auszuwählen, dass die Räume optisch größer wirken als sie wirklich sind. Modernität wird ebenfalls groß geschrieben: Meist sind es junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, die eine Mikro-Wohnung suchen. Um diese Zielgruppe anzusprechen, zählt eine moderne Fassadengestaltung ebenso wie die technische Ausstattung. Die Internetnutzung ist oft bereits mit dem Mietvertrag abgedeckt, auch zusätzliche Angebote wie ein Concierge oder ein Waschraum sollen den Wohnungssuchenden die Entscheidung für ein kleines Appartement erleichtern.

Vermarktung von Mikro-Appartements an neuen Lebensstil knüpfen

Neue Wohnformen werden auch von neuen Lebensstilen begleitet. Bei der Vermarktung des Mikro-Wohnkonzepts wird diese Tatsache bisher aber kaum berücksichtigt. Das Problem beginnt schon beim Namen. Mikro-Appartements suggerieren Enge und persönliche Einschränkung. Dabei könnte das Konzept des Wohnens auf kleinem Raum durchaus als Ausgangspunkt eines alternativen und „smarteren“ Lebensstils betrachtet werden. Dieses Argument sollten Bauträger und Projektentwickler auch für das Marketing nutzen.

So könnte die Verkaufsargumentation zum Beispiel lauten: Gewohnt wird im Kleinen, weil es intelligenter und ökologischer ist – kompaktes Wohnen wird so zum Unterscheidungsmerkmal. Auf ausladende Sofas oder den Luxus einer Kücheninsel verzichten die Bewohner bewusst. Wenig Wohnraum führt nicht zwangsläufig zur Einschränkung der der Bewohner. Stattdessen veranlasst er ihn, sich auf das Wichtigste zu konzentrieren. Wer konzentrierter lebt, lernt alles Unnötige abzustreifen.

 

 

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