Ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende zu. Wir haben für 2018 verschiedene Veränderungen innerhalb der deutschen Immobilienlandschaft mit großer Spannung erwartet – wie etwa die Anpassung des Bauvertragsrechts oder die Einführung einer Fortbildungspflicht für Immobilienmakler. Höchste Zeit, eine Bilanz zu ziehen und zu fragen, was sich dadurch in der Praxis tatsächlich geändert hat. Und was kommt 2019 auf uns zu?

Rückblick 2018

Mit Neuerungen wie der am 01.01. in Kraft getretenen Änderung des Bauvertragsrechts oder der am 01.08. eingeführten Fortbildungspflicht für Makler hat das Immobilienjahr 2018 mit Vielem aufgewartet und die Immobilienbranche auf Trab gehalten. Die genauen Auswirkungen dieser Gesetzesänderungen sind jedoch noch nicht eindeutig abzusehen – hier heißt es also eher langfristig zu beobachten.

In Bezug auf die eingeführte Fortbildungspflicht für Immobilienmakler sieht Kathrin Appler, Chief Real Estate Officer bei realbest, allerdings schon jetzt weiteren Handlungsbedarf: „Die Einführung des neuen Gesetzes ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Um eine nachhaltige Professionalisierung der Immobilienbranche zu erreichen, brauchen wir jedoch noch sehr viel mehr als nur sieben Weiterbildungsstunden pro Jahr.

Ausblick für 2019

Aktuelle Prognosen versprechen, dass auch das kommende Immobilienjahr spannend wird! Wir haben die wichtigsten Aspekte zusammengestellt:

Deutscher Immobilienmarkt wird für ausländische Investoren zunehmend zu teuer

Aufgrund des anhaltend starken Anstiegs der Immobilienpreise wird der deutsche Immobilienmarkt für ausländische Investoren allmählich zu teuer. Um 3 Milliarden auf 65 Milliarden Euro leicht gesunkene Investitionen haben Deutschland im Ranking europäischer Investitionsstandorte hinter Großbritannien auf den zweiten Platz rutschen lassen. Doch wie wird es nach dem 2019 bevorstehende Brexit aussehen? Immobilien-Experten erwarten, dass der Ansturm der Londoner Banker auf die Finanzstadt Frankfurt weiter steigt. Bereits 2018 wurde hier mit 8 Milliarden Euro 12,5% mehr in Immobilien investiert als im Vorjahreszeitraum.1 Auch andere deutsche Großstädte könnten von dem Ausstieg Englands aus der EU profitieren, da für 2019 hier ein vergleichsweise stabiler Immobilienmarkt herrscht. Für Profi-Investoren durchaus Anlass Immobilienvermögen noch einmal umzuschichten und in Deutschland zu investieren.

Weiterhin hohe Immobilienpreise

Mittlerweile befindet sich der Immobilienboom in Deutschland in einer Spätphase. Auch wenn die Immobilienlandschaft deshalb von sportlichen Preisen geprägt ist, gilt Deutschland aber weiterhin als attraktiver Standort für Investoren aus aller Welt. Gut für die Verkäufer von Immobilien – diese dürfen so insbesondere in den Großstädten Berlin, Frankfurt, Hamburg und München auch 2019 nach wie vor hohe Gewinne erwarten.

Bedeutungszuwachs der Immobilien-Startups

Immobilien-Startups haben einen zunehmend starken Einfluss auf die Immobilienbranche. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der Jobplattform Joblift. Diese bestätigt für Unternehmen, die den digitalen Wandel in etablierten Branchen vorantreiben, ein durchschnittliches Jobwachstum von 54% im Vergleich zum Vorjahr. Der Bereich PropTech verzeichnete dabei ein Wachstum von 76% und belegt damit den dritten Platz unter den Technologiesektoren. Für 2019 wird ein weiteres Wachstum und eine damit einhergehende zunehmende Einflussnahme von PropTech-Unternehmen erwartet.

Geplante Änderungen im Mietrecht: Verschärfung der Mietpreisbremse

Obwohl das Bundesverfassungsgericht aktuell die Verfassungskonformität der Mietpreisbremse prüft, ist für das kommende Jahr bereits eine weitere Verschärfung des Mietrechts in Planung. Der von der SPD vorgelegte Gesetzesentwurf enthält unter anderem:

  • Eine erweiterte Auskunftspflicht seitens des Vermieters zur Ursache des Mietpreises.
  • Eine Senkung der Modernisierungsumlage von 11% auf 8%.

Doch zeigt die Mietpreisbremse wirklich die gewünschte Wirkung? „Die Mietpreisbremse geht vor allem zulasten der Eigentümer, die dem Gesetz teilweise über andere Wege ausweichen. Angesichts steigender Kaufpreise ist für Viele der Verkauf der Immobilie eine lukrativere Alternative.”, so Kathrin Appler.

Ob die Stärkung letztendlich das richtige Mittel zur Bekämpfung der Wohnungsnot ist, bleibt jedoch fraglich. Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD, beobachtet die Entwicklungen des deutschen Mietrechts mit großer Sorge. Er sieht in der Stärkung des Mietrechts das falsche Mittel für die aktive Bekämpfung der Wohnungsnot. Zudem befürchtet er erhebliche negative Folgen für den Wohnungsbau, wenn künftig lediglich die Interessen der Mieter im Vordergrund stünden.2

Immobilienprofis erwarten für 2019 eine Erhöhung des Leitzinses

Werden durch steigende Kreditpreise die Immobilienpreise sinken? Etwa 80% der Immobilienprofis erwarten für 2019 eine Erhöhung des Leitzinses durch die EZB. Zu diesem Ergebnis kam kürzlich der Marktmonitor Immobilien (MMI) 2018. 50% gehen dabei von einer leichten Erhöhung um maximal 0,25% und 26% von einer Erhöhung zwischen 0,25 und 0,5% aus. Die größten Auswirkungen würde die Erhöhung des Leitzinses (liegt aktuell bei 0%) vermutlich für private Käufer haben. Wer aktuell einen Immobilienkauf plant, sollte diesen also möglichst schnell abwickeln, um den spürbar steigenden Zinsen auszuweichen.

Titelbild: Media Whale / fotolia

Quellen:

1 Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC (November 2018): „Emerging Trends in Real Estate: Creating in Impact. Europe 2019.“
2 AIZ Das Immobilienmagazin (November 2018): „BID-Verbände mit scharfer Kritik zu geplanten Änderungen im Mietrecht”