Ob Bauträger oder Projektentwickler – wer in der Baubranche tätig ist, kennt das alte Klagelied: Fachkräftemangel. Berufe wie Monteur, Klempner, Elektriker und Maurer scheinen den Jugendlichen in Deutschland nicht mehr attraktiv genug zu sein, sodass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Qualifizierte Arbeitskräfte werden jedoch dringend benötigt. Die Menschen, die derzeit aus ihrem Heimatland flüchten und nach Deutschland kommen, könnten den fehlenden Fachkräftenachwuchs ausgleichen. Viele Flüchtlinge sind jung – etwa jeder zweite ist zwischen 18 und 35 Jahre alt – und höchst motiviert, etwas zu lernen, um dadurch in Deutschland Fuß zu fassen. Aus diesem Grund fordern immer mehr Vertreter aus Wirtschaft und Politik, Flüchtlingen den Eintritt auf den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Auch die deutsche Bauwirtschaft könnte davon profitieren.

Der Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt ist steinig

Aus der hohen Zahl an Flüchtlingen könnten Unternehmen die fehlenden Auszubildenden gewinnen, die in Deutschland derzeit nicht generiert werden. So zumindest die Theorie. In der Praxis ist diese Strategie jedoch kaum adäquat umzusetzen. Grund dafür sind die geltenden Gesetze. So bekommen junge Flüchtlinge zwar eine Aufenthaltsduldung, wenn sie eine Ausbildung in Deutschland beginnen ‒ diese gilt jedoch nur für ein Jahr und muss danach verlängert werden. Angesichts der üblichen Ausbildungsdauer von zwei Jahren fehlt Unternehmen hier die Planungssicherheit, auch für die Zeit nach der Ausbildung. Die Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordern daher für die Zeit der Lehre sowie darüber hinaus ein sicheres Aufenthaltsrecht.

Pilotprojekt „Berufsstart Bau“ auch für Flüchtlinge geeignet

Die Vermittlung von fachlichem Know-how an Flüchtlinge hilft nicht nur der Baubranche, sondern auch den Flüchtlingen selbst. Durch eine berufliche Qualifizierung haben sie größere Chancen, einen festen Beruf zu finden und sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Ein guter Start bietet hier das Pilotprojekt „Berufsstart Bau“ des deutschen Baugewerbes. Die Teilnehmer werden darin gezielt auf eine Ausbildung im Baugewerbe mit der Möglichkeit vorbereitet, bei beruflichem Erfolg von einem Unternehmen in ein Ausbildungsverhältnis übernommen zu werden.

Bei allen positiven Effekten, die eine Beschäftigung von Flüchtlingen in der Baubranche mit sich bringt, müssen Unternehmen aber auch Herausforderungen meistern, die erst einmal einen höheren Arbeitsaufwand bedeuten. Dies betrifft in erster Linie die Sprachbarriere, die es zu überwinden gilt. Eine sichere, verständliche Kommunikation ist nicht nur entscheidend für die Integration, sondern auch im Arbeitsalltag auf der Baustelle.

 

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