Die Mietpreisbremse bleibt ein Zankapfel: Mieterverbände und weite Teile der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD sind dafür. Die Immobilienbranche warnt vor einem Fehlschuss angesichts der geplanten Einschränkungen. Viele Kritiker bemängeln, dass Investitionen in den betroffenen Städten und Regionen zurückgehen, der Neubau ins Stocken geraten und die Mieten im Endeffekt höher ausfallen könnten als ohne die Regulierungsmaßnahme. Das Bankhaus Ellwanger & Geiger hat sich in der Immobilienbranche umgehört und deutsche Immobilienaktiengesellschaften nach ihrer Meinung gefragt. Laut der Studie „Holzweg Mietpreisbremse?“ glauben die befragten Unternehmen mehrheitlich, dass vor allem die Metropolen von der Mietpreisbremse betroffen sein werden und dort mit Investitionsrückgängen zu rechnen sei. Die elf Unternehmen, die an der Umfrage teilnahmen, verwalten zusammen einen Bestand von mehreren hunderttausend Wohnungen in Deutschland.

Immobilienunternehmen warten ab und wollen Strategie vorerst nicht ändern

Keiner der Befragten rechnet damit, dass die Investitionen auf dem Wohnimmobilienmarkt durch die Mietpreisbremse zunehmen werden. Das Gegenteil ist viel eher der Fall: 70 Prozent rechnen mit einem Dämpfer für das Transaktionsvolumen. Ein ebenso großer Anteil glaubt, dass Großstädte wie Berlin, Frankfurt und Hamburg beziehungsweise einzelne Stadtteile als angespannte Wohnungsmärkte ausgewiesen werden könnten und demnach von abnehmenden Investitionen betroffen wären. Auch beim Thema Neubau – der in den Metropolen angesichts der weiter steigenden Nachfrage von besonders hoher Bedeutung ist – hätten die Metropolen wohl das Nachsehen. Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer denkt, dass sich die Wohnungsbaudynamik in jenen Gebieten verlangsamen wird, die im Zuge des Gesetzes zur Mietpreisbremse reguliert werden.

Trotz der Befürchtungen rund um die Einführung der Mietpreisbremse geben die Wohnimmobilien-AGs in der Umfrage der Privatbank Ellwanger & Geiger an, ihre Strategie vorerst nicht ändern zu wollen. 86 Prozent der befragten Unternehmen haben nicht vor, aufgrund der Regulierungsmaßnahmen ihre Portfolios umzustrukturieren. Sie sehen also davon ab, verstärkt Bestände zu akquirieren, die voraussichtlich nicht von der Mietpreisbremse betroffen sein werden. Nur eine Gesellschaft prüfe derzeit, künftig stärker auf Wohnimmobilien in B-Städten und einfachen Lagen zu setzen. Auch das Geschäft mit der Wohnungsprivatisierung wird für das Gros der Befragten nach Inkrafttreten des Gesetzes wohl keine größere Rolle spielen.

Experten fordern mehr Engagement beim Neubau von Wohnungen

Neben dem Wegfall einzelner Neubauprojekte könnte die Regulierung auch dazu führen, dass Vermieter sich ihre Mieter gezielter aussuchen. Einer Umfrage von ImmobilienScout24 zufolge will knapp die Hälfte der 323 befragten Vermieter künftig verstärkt zahlungskräftige Mieter auswählen, um später Mietausfälle zu vermeiden. Das wichtigste Kriterium bei der Interessentenauswahl ist dementsprechend das Einkommen: Mehr als zwei Drittel der Vermieter achten besonders darauf, wie viel die Wohnungssuchenden verdienen. Paare ohne Kinder sind laut der Umfrage mit einer Zustimmung von 39 Prozent weiterhin Vermieters Liebling, an Familien mit Kindern möchten nur 16 Prozent gerne vermieten.

In einer Studie prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW), dass die Mietpreisbremse mehr Nachteile mit sich bringen werde – für Vermieter wie für Mieter. Die Autoren fordern stattdessen mehr Engagement beim Wohnungsneubau, zudem müsse dieser günstiger werden. Sie empfehlen, innerstädtische Brachflächen verstärkt als Bauland auszuweisen, unter der Bedingung, dass die Investoren darauf auch preiswerte Wohnungen schaffen müssen.

Angesichts der verschiedenen Umfrageergebnisse deutet sich an, dass die Mietpreisbremse die Lage auf den stark nachgefragten Wohnungsmärkten voraussichtlich nicht entspannen wird. Die Konkurrenz um Mietwohnungen wird sich wohl zumindest in den deutschen Metropolen auf dem derzeitigen Niveau halten oder sogar erhöhen.

 

Titelbild: claudiarndt / photocase.de