Von heute auf morgen funktioniert in der Immobilienbranche kaum etwas – Immobilien sind ein langfristiges Geschäft. Auch gesellschaftliche Trends und veränderte Vorlieben der Wohnungssuchenden wirken sich erst mit der Zeit beispielsweise auf die Grundrisse und Bauweise von Wohngebäuden aus.

Projektentwickler und Wohnungsunternehmen nehmen die Entwicklungen auf und beziehen sie in ihre langfristigen Planungen ein, zum Beispiel wenn es um die Standortsuche und die Flächenaufteilung für den Neubau eines Mehrfamilienhauses geht oder die Sanierung von Bestandsimmobilien. Die Deutsche Hypothekenbank hat ausgewählte Trends analysiert, die die Immobilienmärkte nachhaltig beeinflussen könnten. Demnach wird der Wohnimmobilienmarkt in den kommenden Jahren vor allem von der demografischen Entwicklung sowie dem technologischen Fortschritt beeinflusst werden – auch der Wertewandel bringt Veränderungen mit sich.

Weniger, älter und bunter –
Altersgerechte Wohnungen werden wichtiger

Obwohl die in den vergangenen Jahren vorgebrachten teils dramatischen Schrumpfungsszenarien heute mitunter kritisch bewertet werden, wird Deutschlands Bevölkerung laut dem Statistischen Bundesamt in den kommenden Jahrzehnten in jedem Fall zurückgehen. Auf den Wohnimmobiliensektor werden sich die prognostizierten demografischen Veränderungen laut der Studie „Megatrends der Immobilienmärkte in Deutschland“ aber weniger stark auswirken als beispielsweise auf die Segmente Büro und Einzelhandel. So soll die zurückgehende Bevölkerungszahl erst ab 2030 zu deutschlandweit abnehmenden Haushaltszahlen führen.

Weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau bleibt wohl die Wohnflächennachfrage – zum einen wegen des steigenden Wohlstands, zum anderen weil viele Menschen im Laufe ihres Lebens in immer größere Wohnungen ziehen und so auch im Alter relativ viel Wohnfläche nutzen möchten. Mit einer Neubauwelle altersgerechter Wohnungen rechnet die Deutsche Hypothekenbank jedoch nicht. Wahrscheinlicher sei, dass Bestandsimmobilien saniert werden und so barrierefreie Wohnungen entstehen.

Der technologische Fortschritt
macht unser Leben smarter und schneller

Wie und wo wir wohnen, ist auch eng mit den technologischen Möglichkeiten verknüpft. Über Computer und Smartphones stehen wir ständig in Kontakt mit unserer Umwelt, können über weite Strecke kommunizieren. Die Technologie macht uns mobiler und flexibler. Große Bedeutung misst die Deutsche Hypothekenbank daher zukünftig sogenannten Smart Homes bei. Darin wird die Haustechnik vernetzt und die Bewohner können beispielsweise die Energieversorgung und ihre Haushaltsgeräte über mobile Endgeräte wie ein Tablet-PC steuern.

Bei Neubauprojekten kann solch eine intelligente Haustechnik relativ einfach in die Planungen integriert werden. Schwieriger und teurer wird es, Bestandsobjekte nachzurüsten. Nur wenn Mieter und Käufer bereit sind, entsprechend mehr für Smart Homes zu zahlen, wird sich diese Wohnform langfristig verbreiten und zu einem Faktor für die erfolgreiche Vermarktung einer Wohnimmobilie werden.

Wir werden individueller und flexibler

Individualität ist das Credo unserer Zeit. Wir wollen uns selbst verwirklichen und uns in keine Schublade stecken lassen. Dies wirkt sich beispielsweise auf die Familienplanung aus, zudem werden die Lebensformen vielfältiger. Konkret beeinflusst dieser Trend unter anderem die Haushaltsgröße. Das Statistische Bundesamt prognostiziert, dass die durchschnittliche Haushaltsgröße bis 2030 auf 1,88 Personen schrumpfen wird – 2009 waren es noch 2,04 Personen. Trotz sinkender Bevölkerungszahlen wird die Zahl der Haushalte so künftig wachsen. Allerdings werden vor allem Haushalte mit ein oder zwei Personen zunehmen, Mehrpersonenhaushalte könnten um etwa ein Viertel zurückgehen.

Auch kleinere Wohnungen werden also in der Zukunft – vor allem in den größeren Städten – gefragt sein. Die Studie weist zudem daraufhin, dass immer mehr Menschen, die sich für Wohneigentum entscheiden, dies nicht nur einmal im Leben tun. Immobilien werden vielmehr für bestimmte Lebensabschnitte gekauft und immer häufiger auch wieder verkauft.

 

Titelbild: raperonzolo / photocase.de