Die Geschichte der Stadtentwicklung hat schon oft gezeigt, dass die Trendviertel von heute lange Zeit zu den Schmuddelecken einer Stadt gehörten. Sei es das Greenwich Village in New York, Prenzlauer Berg in Berlin, oder das ehemalige Armenviertel Marais in Paris, was heute zu den Geheimtipps der Stadt zählt. Ähnlich erging es auch Hamburg mit seinem Rotlichtmilieu St. Pauli oder neuerdings Frankfurts Rotlicht-Quartier rund um den Hauptbahnhof. Mittlerweile gehören diese Lagen zu den teuersten im Stadtgebiet, was vor einigen Jahrzehnten noch ganz unvorstellbar war. Diesem Beispiel wollen nun mehr Städte folgen, wie zum Beispiel Stuttgart, wo das Leonhardsviertel nun aufgewertet werden soll.

Stuttgarter Leonhardsviertel: Wohnungen neben Stundenzimmer

Bisher haftet dem Stuttgarter Leonhardsviertel ein „zweifelhafter“ Ruf an. Der Straßenstrich ist dort ansässig, ebenso legale wie illegale Bordelle – kurzum: an dem Viertel klebt der Duft von Prostitution und Nachtleben. Der städtische Oberbürgermeister Fritz Kuhn will das zentral gelegene Quartier nun aufwerten. Solche Pläne sind mittlerweile nicht mehr so abwegig wie noch vor einigen Jahren, dennoch stoßen sie auf Kritik von allen Seiten. Die Bordellbetreiber zweifeln an der Mischung von Wohnen und Rotlicht und die Hauseigentümer beklagen sich über eine ungewisse Zukunft des Leonhardsviertels.

Denn einen Bebauungsplan gibt es nicht und die Stadt sieht diesen auch nicht vor. Allerdings soll ein städtebauliches Entwicklungskonzept gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitet werden, wann und wie sich dies ausgestalten wird ist aber unklar. Die Idee der Aufwertung ruft bei einigen Anwohnern aber Unbehagen hervor, da sie steigende Mieten befürchten.

Der Charme des Rotlichts

Steigende Mieten waren in Hamburg nicht das Ziel der Aufwertung, es handelte sich dabei um einen Nebeneffekt. Oberbürgermeister Kuhn beteuert aber, dass dieser Effekte in Stuttgart ausbleiben wird, da die Wohnungen klein und auch keine Sanierungen in Millionenhöhe geplant seien. Zudem sei jetzt schon ein Wandel in dem Viertel zu spüren: Schicke Bars haben neben Stundenhotels eröffnet und der verruchte Charme zieht Menschen aus jedem Milieu in das Leonhardsviertel. Rotlichtviertel haben eine besondere Anziehungskraft. Das Nebeneinander von hippen Studentenbars, leichten Mädchen und Wohnen scheint eine gefragte Mischung zu sein.

 

 

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