„So ein bisschen Bildung ziert den ganzen Menschen“, stellte einst der Dichter Heinrich Heine fest. Zu diesem Urteil ist auch die deutsche Gesetzgebung und Politik gekommen. Denn ab dem 01.08. gilt die Fortbildungspflicht für Makler und Immobilienverwalter. Nach Branchenmeinungen und -verbänden könnte es aber mehr als nur ein bisschen der Zierde sein: Das ursprüngliche Ziel war ein Sachkundenachweis, der es schwarzen Schafen deutlich schwerer machen sollte Fuß fassen zu können und Kunden einfacher machen sollte, einen vertrauensvollen Makler zu finden.

Doch was bedeutet nun die Weiterbildungspflicht für Immobilienmakler, Verwalter und deren Kunden?

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Fortbildungsverpflichtung für Makler und Immobilienverwalter wurde in dem „Gesetz zur Einführung einer Berufszulassung für gewerbliche Immobilienverwalter und Makler“ beschlossen und ist ab dem 01.08.2018 gültig.

Sie beinhaltet:

  • 20 Stunden Weiterbildung innerhalb von 3 Jahren
  • Nach Aufforderung durch die Behörde muss der Makler Auskunft über die Fortbildungsmaßnahmen geben
  • Informationspflicht den Kunden bzw. Auftraggebern gegenüber
  • Weiterbildungsnachweise müssen 5 Jahre aufbewahrt werden
  • Für Verwalter: Berufshaftpflichtversicherung ist Pflicht, Erlaubnispflicht nach § 34

Auskunft und Informationspflicht

Die Fortbildungspflicht für Makler und Verwalter sieht eine Auskunfts- und Informationspflicht vor. Auskunftspflicht besteht gegenüber den Behörden. Wenn diese einen Makler zur Auskunft über seine Weiterbildungsmaßnahmen auffordern, hat er entsprechende Nachweise zu erbringen. Kommt der Makler der Aufforderung nicht nach, drohen bis zu 5.000 € Bußgeld. Einzelnachweise für Mitarbeiter müssen aber nicht erbracht werden. Hier genügt ein Nachweis für mehrere Mitarbeiter.

Informationspflichtig ist der Makler seinen Kunden beziehungsweise Auftraggebern gegenüber. Der Kunde darf sowohl Informationen zu Qualifikationen anfordern, als auch zu den Weiterbildungen der letzten 3 Jahre. Ein Verweis auf öffentliche Angaben diesbezüglich, wie auf der Website, reicht nicht aus.

Sonderregelungen zur Fortbildungspflicht

Wie bei fast allen Gesetzen gibt es auch bei der Weiterbildungspflicht für Immobilienmakler und Verwalter Ausnahmen und Sonderregeln. So müssen beispielsweise Verwalter, die gleichzeitig als Makler tätig sind, pro Tätigkeitsfeld in Weiterbildungen investieren. Das heißt, 20 Stunden Weiterbildungen für Verwalter und zusätzlich 20 Stunden Weiterbildungen für Immobilienmakler.

Von der Weiterbildungspflicht zunächst befreit sind frisch geprüfte Makler (Immobilienkaufmann, geprüfter Immobilienfachwirt usw.). Sie müssen erst 3 Jahre nach der Aufnahme ihrer Tätigkeit die Fortbildungspflicht einhalten.

Themen der Weiterbildung

Um der Weiterbildungspflicht nachzukommen, stehen Immobilienmakler verschiedene Themenkomplexe zur Verfügung. Nach der Anlage der MaBV (Makler- und Bauträgerverordnung) sind dies folgende Themen:

  • Kundenberatung
  • Grundlagen des Maklergeschäfts
  • Rechtliche Grundlagen
  • Wettbewerbsrecht
  • Verbraucherschutz
  • Grundlagen Immobilien und Steuern
  • Grundlagen der Finanzierung

Diese Themen können Makler in Präsenzseminaren, im begleiteten Selbststudium (z.B. e-Learning) oder in betriebsinternen Maßnahmen behandeln, um die Pflicht zur Fortbildung einzuhalten. Wie bereits erwähnt, spielt es dabei keine Rolle, an welche Anbieter sich die Makler wenden.

Diskussion und Meinungen

Die Fortbildungspflicht für Makler und Verwalter hat bereits im Vorfeld für viel Diskussion und Kritik gesorgt. Schließlich war das Ziel von Branchenverbänden wie dem IVD, die Einführung eines Sachkundenachweises als Berufszulassung. Dadurch sollte der Beruf qualitativ aufgewertet und Kunden vor unterqualifizierten Maklern und schwarzen Schafen geschützt werden. Eine Weiterbildungspflicht ist für viele Experten daher zu schwach.

„Jeder in der Branche mit hohem Anspruch an seine Tätigkeit sollte sich dafür einsetzen, dass die Zulassungsrichtlinien verschärft werden “,

findet auch Kathrin Appler, CRO bei realbest.

So ein bisschen Bildung mag also eine hübsche Zierde sein, genügt aber nicht dem eigenen Anspruch der Branche. Damit wird die Weiterbildungspflicht für Immobilienmakler und Hausverwalter wohl nur ein erster Schritt sein, dem in den nächsten Jahren noch weitere folgen werden.

 

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