Auf der Suche nach außergewöhnlicher Wohnarchitektur stieß eine junge Familie in Köln auf eine ungenutzte Kirche in einem Hinterhof. Sie ließen sie zu einem Wohnhaus über drei Stockwerke umbauen. Dies ist nur eins von vielen Beispielen der Kirchenumnutzung, die über ganz Deutschland hinweg zu finden sind. Die sakrale Aura und großzügige Architektur der Kirchen werden dabei meist geschickt in Szene gesetzt, egal ob diese als Wohnhäuser, Bürogebäude oder Restaurants genutzt werden. Heftige Diskussionen und baurechtliche Probleme bleiben aber nicht aus.

Das Profane im Heiligen – Probleme und Diskussionen

Die Kirchen in Deutschland verlieren rasant Mitglieder und die Folge sind oft brachliegende Kirchengebäude. Gemeinden werden zusammengelegt und einzelne Gotteshäuser verfallen nahezu. Gleichzeitig fehlt es an Wohnraum. Die Umnutzung von Kirchen könnte dazu geeignet sein günstigen Wohnraum zu schaffen, sofern sie nicht privatisiert, sondern weiterhin den Gemeinden gehören. So geschah es zum Beispiel mit der Dreifaltigkeitskirche in Münster, in die 2013 acht obdachlose Männer einzogen. Allerdings kommt es bei der Umnutzung von Kirchen häufig zu baurechtlichen Problemen. Öffentliche Subventionen und Steuervorteile durch Denkmalschutz machen die Umnutzung aber dennoch attraktiv.

Trotz des drohenden Verfalls und der Vorteile einer Umnutzung gibt es Diskussionsbedarf. Viele Gläubige halten eine profane Umnutzung für unwürdig und sehen die Gefahr, dass damit das Kulturgut Kirche verkümmert. Nicht nur Kirchenleute kritisieren die Umnutzung, auch die Gemeinden haben sich schon oft dagegen eingesetzt. Vermutlich ist die emotionale Bindung an die Gemeindekirche oft doch höher als zunächst angenommen wird.

Die höchste Stufe der Erleuchtung: Positive Beispiele

Trotz der Probleme und Diskussionen hat die Umnutzung in vielen Gemeinden bereits erfolgreich funktioniert. Eins der frühesten und größten Beispiele dafür ist die Martini Kirche in Bielefeld. Diese stand seit 2002 leer und eröffnete 2005 als Restaurant. Etwas anders wurde die Herz-Jesu-Kirche in Mönchengladbach umgebaut. Hier entstand ein Wohnhaus mit 23 Wohneinheiten über vier Etagen. Moderne Stahl und Glas Konstruktionen schaffen eine Balance zwischen Alt und Neu. Die notwendige Gemütlichkeit eines Wohnhauses geht in der imposanten Historie des Kirchengebäudes auf.

 

Titelbild: Weigand / photocase.de